Neuer Mini-Ultraschall macht frühere Brustkrebsdiagnosen möglich

Das Gerät ist noch in der Entwicklung und besteht aus einer Ultraschallsonde sowie einem Prozessor-Modul, das etwas grösser als ein Smartphone ist. Foto: Conformable Decoders Lab at the MIT Media Lab

Ein kleines Gerät weckt grosse Hoffnungen für Millionen Frauen. Der vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte Mini-Ultraschall will die Brustkrebsfrüherkennung vereinfachen und zugänglicher machen. Das könnte die Überlebenschancen von vielen betroffenen Frauen verbessern.

Brustkrebs ist weltweit die häufigste Krebsart bei Frauen. Laut WHO erkranken jedes Jahr rund 2,3 Millionen Frauen daran. Wird Brustkrebs früh entdeckt, sind die Überlebenschancen sehr hoch. In späteren Stadien sinken sie jedoch deutlich.

Das MIT-Gerät soll nun Tumore bei Risikopatientinnen früher erkennen. Das würde die Überlebenschancen verbessern. Denn der tragbare Ultraschall will regelmässigere Kontrollen direkt bei der Hausärztin ermöglichen. Es wurde im Rahmen einer Studie vorgestellt, die in der Fachzeitschrift “Advanced Healthcare Materials“ veröffentlicht wurde.

Zwischen den regulären Untersuchungs-Terminen vergeht derzeit oft zu viel Zeit, erklärt Studienleiterin Canan Dagdeviren. Zeit, in der Tumore unbemerkt entstehen können. Diese sogenannten Intervallkarzinome machen gemäss Dagdeviren 20 bis 30 Prozent aller Brustkrebsfälle aus. Und diese sind in der Regel aggressiver als Tumore, die bei Routine-Untersuchungen festgestellt werden.

Neue Scanner können in Arztpraxen eingesetzt werden

Gerade für Frauen mit dichtem Brustgewebe oder erhöhtem genetischen Risiko bräuchte es deshalb häufigere Ultraschalluntersuchungen, sagt Dagdeviren. Doch die dafür nötigen Geräte sind teuer und stehen meist nur in grossen Kliniken mit spezialisiertem Personal. Engmaschige Kontrollen sind damit nicht möglich.

Der von der MIT entwickelte tragbare Mini-Ultraschall soll in diese Untersuchungslücke springen. Es kann von Hausärztinnen oder Ärzten vor Ort bedient werden und benötigt keine Radiologie-Fachpersonen. Damit werden regelmässige Kontrollen auch für viele Frauen möglich, die fernab von grossen Ultraschall-Maschinen leben.

Tragbarer Mini-Ultraschall wird an Laptop angeschlossen

“Die Ultraschallbildgebung war lange Zeit auf Krankenhäuser beschränkt”, sagt Osman Goni Nayeem, einer der Hauptautoren der Studie. “Um den Ultraschall auch ausserhalb des Krankenhausumfelds einzusetzen, haben wir die gesamte Architektur neu gestaltet und ein neues Ultraschall-Herstellungsverfahren eingeführt, um die Technologie sowohl skalierbar als auch praktisch zu machen”.

Das neue Mini-Gerät kann ein 3D-Bild der gesamten Brust erzeugen. Dafür benötigt es nur Scans an zwei bis drei Stellen. Die Daten werden direkt von einem Motherboard verarbeitet, das gemäss MIT etwa 300 US-Dollar kosten soll. Zur Bildanzeige kann dieses Motherboard in der Grösse eines Smartphones an einen Computer oder Laptop angeschlossen werden.

MIT-Gerät soll weniger Druck erfordern und genauer sein

Der tragbare Ultraschall kann sogar mit einer Batterie betrieben werden. Und der Scanner muss nicht in das Gewebe gedrückt werden, wie das Forschungsteam betont. “Mit unserer Technologie muss man sie nur sanft auf das Gewebe aufsetzen, und sie kann die Zysten an ihrem ursprünglichen Ort und in ihrer ursprünglichen Größe sichtbar machen”, sagt Studienleiterin Dagdeviren.

Der Scanner kann bis zu 15 Zentimeter tief ins Gewebe “sehen” und Tumore erkennen, welche Mammographien gerade bei dichtem Brustgewebe verpassen. Beim Test mit einer 71-jährigen Frau konnte der Mini-Ultraschall dieselben Zysten erkennen, welche bereits im Spital nachgewiesen wurden. Weil der MIT-Scanner nicht ins Gewebe gedrückt werden muss, zeigte er die Zysten sogar präziser, als das Profi-Gerät.

Derzeit läuft eine erste klinische Studie am MIT, um das Gerät zu erproben. Danach sind weitere, grössere Testreihen erforderlich, um zu sehen, wie zuverlässig Tumore erkannt werden und ob es falsche Befunde gibt. Realistisch ist eine Zulassung erst in einigen Jahren.

MIT will Gerät für Hausgebrauch weiter optimieren

Gleichzeitig tüftelt das Team aber bereits an Weiterentwicklungen. Sie wollen das Mini-Gerät noch handlicher und kleiner machen. Während die aktuelle Technologie für Arztpraxen konzipiert ist, denken sie bereits an einen Einsatz zu Hause für Hochrisikopersonen.

Dazu soll das verkleinerte Motherboard künftig an ein Smartphone angeschlossen werden können. Dafür ist auch eine App in Entwicklung, mit dessen Hilfe Patientinnen den Ultraschallkopf selber richtig positionieren können. Die App könnte die Daten dann direkt auswerten oder an Fachpersonal senden.

Damit könnte gerade für Risikopersonen ein einfaches, günstiges und zugängliches Kontrollsystem etabliert werden. Ideal für eine Früherkennung zwischen den Routine-Untersuchungen. Intervallkarzinome könnten damit früher behandelt und die Überlebenschancen gesteigert werden.

Was Frauen heute schon tun können

Auch ohne Hightech-Geräte gibt es Möglichkeiten, Brustkrebs oder Warnsignale zu Hause zu erkennen. Folgende Empfehlungen stammen von Krebsgesellschaften und der WHO:

Regelmässige ärztliche Untersuchungen

  • Frauen ab 40: jährliche ärztliche Brustuntersuchung

  • Frauen ab 50: Teilnahme am Mammographie-Screening alle 2 Jahre

  • Frauen mit erhöhtem Risiko: individuell angepasste Intervalle, oft jährlich Mammographie + Ultraschall oder MRT

Selbstuntersuchung

Fachgesellschaften betonen: Selbstabtasten ersetzt kein Screening, kann aber helfen, Veränderungen früh zu bemerken. Das Abtasten solle einmal pro Monat erfolgen, idealerweise einige Tage nach der Periode. Dabei ist besonders auf Veränderungen zu achten: Knoten, Einziehungen, Hautveränderungen (Rötung, Orangenhaut, Einziehungen), Flüssigkeit aus der Brustwarze, Veränderungen der Brustwarze. Auch bei anhaltenden Schmerzen in einem Brustbereich sollte eine Kontrolle erfolgen.

Wer gilt als Risikoperson?

Für diese Frauen werden engmaschigere Kontrollen empfohlen.

  • Frauen mit BRCA1/BRCA2-Gen-Mutationen

  • starke familiäre Belastung (Mutter, Schwester, Tochter)

  • sehr dichtes Brustgewebe

  • frühere Brustkrebserkrankung

  • Bestrahlung des Brustkorbs in jungen Jahren

Und Männer?

Auch Männer können an Brustkrebs erkranken. Besonders gefährdet sind ältere Männer aus familiär vorbelasteten Familien. Im Vergleich zu der Zahl der betroffenen Frauen sind die Erkrankungszahlen aber sehr gering.


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